Archiv für Februar, 2012

La Boquita – Rettung für die Schildkröten

Nachdem unsere Gruppe schon einmal den Strand von La Boquita als Badestrand genießen durfte, machten wir uns ein zweites Mal auf den Weg dorthin – diesmal, um auch etwas Sinnvolles zu tun.


Zur Abwechslung fahren wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also mit den ehemaligen amerikanischen Schulbussen, von San Marcos nach La Boquita, unser Gepäck für die zwei Tage Aufenthalt fährt bequem und sicher in einem unserer Microbusse dorthin. Unser Domizil für eine Nacht ist die Villa Blanca – direkt am Meer gelegen mit unbezahlbarer Aussicht und Geräuschkulisse. Nach einer turbulenten Bettenaufteilung – in einem Doppelbett können gern auch mal 3 bis 4 Leute schlafen – marschieren wir entschlossen zum Strand, wo Marcos Tulio Navarro, der Projektverantwortliche von APRODIM, mit den anderen Mitarbeitern, diversen Schaufeln, Säcken und Holzstämmen auf uns wartet.


Ziel unseres kleinen Ausflugs war es nämlich, uns aktiv am Schildkrötenprojekt von APRODIM und der Jenaplanschule zu beteiligen, auf dessen Plan der Bau einer Schildkrötenbrutstation stand. Glücklicherweise hatten die Nicas das Gelände schon abgesteckt und die Stellen markiert, an denen die Löcher für die Pfosten ausgehoben werden sollen. Gewohnt zügig und geordnet teilen wir uns unter Teresas Anleitung in 3er Gruppen auf, Deutsche und Nicas immer schön gemischt, damit bei der Arbeit auch noch die letzten Verständigungsbarrieren fallen.

Und dann geht es los: Die Projektmitarbeiter zeigen einigen Gruppen, wie und wo die Löcher ausgehoben werden sollen, andere Gruppen gehen auf die Suche nach Steinen zur Stabilisierung der Pfosten und die übrigen schaufeln Sand in Säcke, die später als Schutzwall dienen werden. Wir geben alle unser Bestes, einige geraten sogar ins Schwitzen, das Gelächter und die Zurufe sind bestimmt weithin hörbar und endlich sind alle Pfosten sicher im Sand verankert. Ein Riesenspaß, der auch noch seinen Nutzen hat.

Da es hier schon gegen 6 so richtig dunkel wird, ist bald Feierabend und wir machen uns auf den Weg zum Abendessen. Schließlich wartet das größte Abenteuer noch auf uns – wir gehen gemeinsam mit den Projektmitarbeitern auf eine Schildkröten-N(W)acht-Wanderung am Strand entlang. Diesmal teilen wir uns in drei Gruppen auf und laufen im Abstand von 100 Metern am vom Mond hell erleuchteten Strand entlang. Erwartungsvoll folgen wir unseren Führern und suchen gespannt das Wasser und den Sand nach Schildkrötenspuren ab. Doch bis auf ein paar typische Schleifspuren sehen wir lange Zeit nichts. Plötzlich nehmen wir Blinkzeichen von der Gruppe vor uns wahr, eilig stürzen wir auf sie zu. Ehrfürchtig und leise stehen wir um eine Schildkröte herum, die gemächlich ihr Loch zubuddelt und dann wieder im Wasser verschwindet. Leider waren in diesem Fall die Eierdiebe schneller und hatten das kostbare Gut bereits entwendet, wie uns die Projektmitarbeiter mitteilen. Das Schildkrötenschutzprojekt steckt hier noch in den Babyschuhen, es ist noch viel Geduld, Ausdauer und Aufklärung nötig, um das Anliegen an die Frau oder den Mann zu bringen. Aber jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt…

Apropos Schritt – 10 km legen wir an diesem Abend in einer faszinierenden Umgebung und mit mittlerweile guten Freunden zurück, um dann gegen 1 Uhr nachts ziemlich müde in die Betten bzw. Hängematten zu fallen. Eine Nacht am Pazifik auf einem Balkon in einer Hängematte, umgeben von Moskitos und Meeresrauschen – einfach unbezahlbar!!!

Am nächsten Morgen kehren wir nach einem leckeren Frühstück wieder an den Strand zurück, um die Arbeit an der Brutstation zu vollenden. Schließlich fehlen noch Einzäunung und ein Sonnenschutzdach. Da es heute wieder ziemlich heiß ist, fangen die ersten auch bald an zu schwitzen, die Nicas beweisen hier mehr Ausdauer als wir. Unterbrochen von ein oder zwei Badepausen ist die Arbeit noch vor dem Mittagessen beendet und stolz werden Fotos von der fertigen Station gemacht. Mit einem guten Gefühl verabschieden wir uns von den Projektmitarbeitern, um nach diesen aufregenden zwei Tagen wieder nach San Marcos zurückzukehren.

Solvejg Spirling (Weltladen Jena)

22. Februar 2012 at 18:04 Hinterlasse einen Kommentar

Abenteuer im Land der Sandinisten und Kaffeepflanzen

Nachdem es unseren Stadtkaffee San Jena nun schon seit einigen Monaten bei uns im Weltladen zu kaufen gibt, ist es endlich soweit: Ich darf San Marcos in Nikaragua endlich einmal selbst kennen lernen. Drei Wochen Aufregung, Abenteuer und Arábica liegen vor uns. Ich bin mit einer Gruppe von Jugendlichen unterwegs, die sich um die Website www.meine-partnerstadt.de kümmern.

Mein ganz persönlicher Höhepunkt sollte der Kurztrip auf die Kaffeeplantage in San Rafael del Norte werden. Von dort kommt ein großer Teil unseres Stadtkaffees San Jena. Die Firma Toledo mit Sitz in San Marcos betreibt hier zwei Fincas, Gloria I, die ältere, auf der heute Kardamomfelder zu finden sind und Gloria II, wo sich große Kaffee- und Maisfelder erstrecken. Zu Erntezeiten arbeiten hier bis zu 80 Menschen. (weitere Infos unter http://www.einewelt-jena.de/176.html)

Die gesamte Firmenleitung, verschiedene Mitarbeiter und vier Pick-ups erwarten unsere Gruppe am Morgen an der Unterkunft in San Rafael del Norte. Offensichtlich freut man sich wirklich über unseren Besuch und wahrscheinlich auch darauf, wie wir Europäer wohl durch den Schlamm der Felder stapfen – schließlich herrscht hier gerade Regenzeit. Wir hätten vielleicht stutzig werden sollen, dass die Nicas alle mit Gummistiefeln ausgerüstet waren und wir lediglich unsere Halbschuhe vorzuweisen hatten. Aber alle Bedenken sind wie weggewischt, als wir die Ladeflächen der Pick-ups erklimmen und es endlich losgeht. Die Straße ähnelt eher einem ausgewaschenen Flussbett mit vielen, vielen Höhen und Tiefen. Mehr oder weniger geschickt versuchen wir Deutschen, dem Hin- und Herschaukeln der Autos entgegenzuwirken, begleitet von lautem Gelächter, Anfeuerungsrufen und aufgeregtem Gejohle. Nach einer Viertelstunde gibt es einen ersten kurzen Zwischenstopp, die Nicas wollen unseren Gliedmaßen eine kleine Pause gönnen. Die mitgereisten Nicas aus San Marcos fragen uns, ob es bei uns im Winter auch so kalt wäre, was uns ein mildes Lächeln entlockt – herrschen hier doch für uns normale 17 °C. Nachdem wir sie mit unseren Jacken versorgt haben, geht es unverzagt weiter zur nächsten Station, einer kleine Siedlung, in der man uns herzlich begrüßt und uns vom Leben in der Kooperative und von der Schule erzählt, dessen Lehrer von dem Unternehmen Toledo bezahlt wird, damit die Kinder hier ordentlich in die Schule gehen können.

Nach einem rutschigen Abstecher auf ein erstes Kaffeefeld – es ist alles verflixt steil und matschig, ein Königreich für ein Paar Gummistiefel! – geht es nun zu Fuß weiter auf die großen Kaffeefelder. Die mit Macheten ausgerüsteten Verwalter führen uns durch ihr Reich, zeigen uns Kaffeepflanzen in den verschiedenen Wachstumsstadien, erklären Anbau und Ernte und stützen uns bei schwierigen Wegstrecken. Wir befinden uns hier in ca. 1.100 m Höhe und der Kaffee wird an den Hängen angebaut. Geerntet wird aber glücklicherweise in der Trockenzeit ab November.

Nach einer kurzweiligen Pause auf der Finca Gloria I, wo auch gerade eine neue Schälanlage nach strengen ökologischen Vorgaben errichtet wird, geht es weiter zu den Kardamomfeldern auf Gloria II. Ein Duft von Kardamom und Zitronengras, das hier überall am Wegrand wächst, umgibt uns, während wir in die Feinheiten des Anbaus eingeweiht werden. Langsam werden die Nicas unruhig, ein Blick nach oben verrät uns auch, warum. Um uns herum färbt sich der Himmel langsam dunkelgrau – ein Gewitter zieht auf. Alles drängt zur Eile, wir ziehen unsere Regenjacken an, verstauen unsere Rucksäcke und die vorsichtigen Mitstreiter in den Autos und die Verrückten unter uns springen wieder auf die Ladeflächen. Ausgerüstet mit einer großen schwarzen Plane begeben wir uns auf die abenteuerliche, holprige Rückfahrt. Und dann bricht es los – Donner, Blitze und unglaubliche Wassermassen haben das Kommando übernommen. Wir hocken begeistert unter der Plane, die wir festhalten müssen. Das Regenwasser findet seinen Weg aber auch unter die Plane, wir werden immer nasser und sind trotzdem einfach nur begeistert von dieser unglaublichen Erfahrung. So schnell, wie es begann, endet das Gewitter und wir genießen den Rest der Fahrt aufrecht stehend, nun schon geschickter, was die Festhaltetechniken angeht.

Erst jetzt können wir uns ansatzweise vorstellen, wie viel Mühe, Arbeit und Aufwand hinter einer Tasse Kaffee stecken. Und doch – selten hatte ich so viel Freude daran, pitschnass und schlammverkrustet zu sein.

Solvejg Spirling (Weltladen Jena)

22. Februar 2012 at 17:54 Hinterlasse einen Kommentar

San Marcos bekommt eine Skaterbahn!

Helft uns, dass die Jugendlichen in San Marcos auch endlich Skaten können.
Mehr Infos findet ihr auf unserer Webseite www.meine-partnerstadt.de.

http://www.facebook.com/v/2122080771506

22. Februar 2012 at 17:23 Hinterlasse einen Kommentar


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