Jenseits des Kommunismus’

„Wenn Sie aus dieser Gegend kommen würden, könnte ich Ihnen die fünf Euro zurückgeben. Und wie gesagt, ich habe es nicht gesehen, ob Sie die Münzen in den Zigarettenautomat hineingeworfen haben“, sagt der Gastwirt.
„Denken Sie wirklich, dass ich Sie für eine Packung Zigaretten anlügen würde?“ frage ich ihn.
„Ich weiß es nicht. Sie sind ja auch kein Einheimischer…“
„Ja, ganz genau“, falle ich ihm ins Wort. „Immer diese Vorurteile den Ausländern gegenüber. Das kenne ich. Wie auch immer… Meine fünf Euro sind jetzt weg…“, noch bevor ich den Satz beende, sagt der Gastwirt:
„Schreiben Sie mir Ihre Adresse auf und wenn Ihr Geld wirklich im Automaten steckt, werde ich mit der Post Ihnen die fünf Euro zuschicken lassen“
„Darauf bin ich aber gespannt…“ entgegne ich dem Mann, schreibe meine Adresse auf einen Rechnungszettel, wünsche ihm ironisch noch einen schönen Tag und verlasse das Lokal. Draußen bemerke ich unweit vom Gasthaus den Busfahrer. Ich gehe auf ihn zu und bitte ihn um Erlaubnis in den Bus zu steigen, um mir meinen Tabak aus der Jackentasche zu holen.

Wir haben heute den 3. Oktober und ich bin in Probstzella zusammen mit Conny und ein paar Jugendlichen aus Jena. Zum Tag der deutschen Einheit sind wir an den ehemaligen Grenzort, die die Bundesrepublik von der DDR bis 1989 getrennt hat, gefahren. Vertreter der Partnerstädte Erlangen und Jena treffen sich hier, um 20 Jahre Wiedervereinigung zu zelebrieren. Gerade werden im Haus des Volkes Reden gehalten. Ich komme noch rechtzeitig hin, als der Jenaer Oberbürgermeister Albrecht Schröter spricht. Er erzählt, wie er die Wende 1989 erlebt hat und deutet daraufhin, dass nicht in allen Europäischen Ländern der Übergang vom Kommunismus zu einem neuen Regime ohne Gewalt ausgeübt wurde. In diesem Moment muss ich an die Dezemberrevolution in Rumänien denken… an die Zeit, in der die rumänische Armee gegen die Menschenmasse schoss, die auf der Straße protestierte, oder Panzer einfach rücksichtslos über Menschen führen. Das alles musste geschehen, damit Rumänien von der Diktatur Ceausescus befreit wird. Und jetzt sitze ich im Haus des Volkes in Probstzella. Dieses Gebäude trägt den gleichen Namen, das das heutige Parlamentsgebäude in Bukarest bis 1989 gehabt hat.
Nach den Reden der Stadtvertreter spielen Kinder aus Erlangen ein Theaterstück von Schiller nach und singen zusammen mit den Zuschauern anschließend die Europäische – und Deutsche Nationalhymne. „Alle Menschen werden Brüder…“ und ich bekomme Gänsehaut.

Oliver (24)  aus Lugoj

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