Nach Russland in 60 Minuten
Ein kleiner Flecken Russland in Leipzig
Reise nach Moskau und Petersburg geplant? Na dann ab! Visum besorgen!
Irgendwann stand auch ich vor der Aufgabe mit 10 Anträgen in der Tasche in Leipzig Visa zu beantragen. Normalerweise fliegt man 2 Stunden nach Moskau. Ich benötige 1 Stunde mit dem ICE um russisches Territorium zu erreichen.
Also in den Zug rein, 60 Minuten, aus dem Zug raus.15 Gehminuten zur Botschaft. Schön brav klingeln und den Grund des Erscheinens durch die Sprechanlage rufen.
Eintritt. Oh, es riecht schon russisch. Großes Treiben. Dazwischen mir gut bekanntes russisches Gerede. Ich stehe in Mitten der Menge und suche Hinweisschilder auf Deutsch. Ich schaue mich um. 4 Schalter. 2 Besetzt. Da ein Schalter für Russen- fast leer- und da, „Visa“-die Schlange schier endlos. Naja gut, denke ich mir, und stelle mich hinten an. Vor mir eine Menge verunsicherter Deutscher mit dem Wunsch ein Visum zu bekommen.
Ich lasse meinen Blick durch den Raum gleiten. Einige Menschen füllen an einem großen Tisch Formulare aus, andere stehen an einem Kassenschalter, andere reden mit Bekannten und wieder andere sitzen einfach nur da und warten oder warten sie nicht, sondern genießen ein Stück Heimat im weit entfernten Deutschland?
Ich habe viel Zeit zum Rumschauen. Dann entdecke ich eine Uhr. 15 Minuten vergangen. Die Schlange vor mir immer noch gleich lang. Ich warte und nehme das Russland-Feeling auf. Endlich zwei Schritte vor. Weiterschauen. 10 Minuten. Menschen kommen, andere gehen. Ich warte. Belaste abwechselnd das eine und dann das andere Bein. Zähle Leute. Frage mich, warum der alle Schalter leer sind, nur der Visaschalter überfüllt ist. Ab und zu höre ich den Sachbearbeiter genervt mit russischen Akzent nach Unterlagen fragen. 20 Minuten vergehen und nochmal 20 folgen.
Okay, noch zwei Antragsteller vor mir. Ich überprüfe die Einladung, Pässe und Anträgeblätter. Alles da. Der junge Mann vor mit verwickelt mich in ein Gespräch. Warum brauchst du Visa, wie viele, mit wem fährst du, warst du schon mal da? Ich antworte. Schweigen. Die Schlange rückt wieder vor. Noch einer! 10 Minuten vergehen.
Ich bin dran. Der Mann hinter der Scheibe schon leicht rot, weist mich an, die Ausweise durch den Schlitz zu schieben. Ich erkläre, 10 passen nicht durch. Er fragt leicht erregt, wie viele? 10. Er steht auf, Mittagspause, Rollo runter. 15 Minuten vergehen. Er kommt wieder, nicht viel entspannter. Setzt seinen genervten Blick wieder auf, gibt seiner Stimme einen sehr vorwurfsvollen Ton und nimmt die Einladung in die Hand. Ich muss nach und nach die Pässe durch schieben. Ich niese. Er fragt, ob ich ihn anstecken will. Ich? Nein. Ich habe nur Schnupfen. Er würde sonst sofort aufhören und ich könnte sehen, wie ich zu den Visa komme. Ich glaube, er ist sehr verärgert. Er ruft fragend durch die Sprechanlage, was ich für einen schlechten Drucker hätte? Alles sei schief und schlecht zu erkennen. Ich werde rot. Alle hören es, schauen mich an. Weiß nicht. 30 Minuten vergehen. Pässe und Anträge durch reichen, Fragen beantworten. Letzter Pass. Endlich fertig. Feierabend für ihn und mich. Beide sind wir froh, dass es überstanden ist. Ich verlasse die Botschaft und bin innerhalb eines Schrittes wieder in Deutschland.
15 Gehminuten zum Bahnhof, rein in den Zug, 60 Minuten, raus aus dem Zug und das Bewusstsein, in 10.080 Minuten die Visa und Pässe wieder abholen zu müssen.
Mareike (19), Studentin
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1.
Gregor | 31. August 2009 um 18:27
Ich glaube ich brauch mal wieder russisches feeling. Die Fahrkarte bis Leipzig werde ich mir schon noch leisten können.