San Marcos- Reisebericht

Alte Schulbusse rasen hupend die engen, schlechten Straßen entlang, halten an jeder Ecke um einen Fahrgast abzusetzen und schreien ihr Fahrziel weit hinaus. Die Menschen laufen gemäßigt, scheinbar gibt es kein Drängeln, kein Zeitdruck. Frauen sitzen auf den schmalen Fußwegen und preisen ihre Waren lautstark an. Zwischen all dem menschlichen Betriebsamkeit schleichen dürre, ängstliche Hunde herum und suchen nach fressbaren Überresten. Kinder mit lauten Stimmen spielen auf den verrosteten, aber frischangestrichenen Spielgeräten. Alte Männer sitzen jeden Tag auf der gleichen Bank, zur gleichen Uhrzeit und beobachten das Geschehen in der Kleinstadt San Marcos.

Im Rahmen der Patenschaft zwischen San Marcos und meiner Heimatstadt Jena leistete ich einen einjährigen Freiwilligendienst in der nicaraguanischen Stadt. Ich lernte neben der neuen Sprache, eine neue Kultur kennen und entdeckte eine zweite Heimat für mich, die für mich ein Stück zu meiner Identität geworden ist.

Anhand von zwei Projekten integrierte ich mich in das Arbeitsteam des nicaraguanischen Partnervereins APRODIM. Diese Nichtregierungsorganisation vergibt Stipendien für mehr als 150 Schüler und Studenten, betreut Frauen und Kinder die von familiärer Gewalt bedroht sind, hilft bei der Ausstattungen mit Solarenergie und bietet Schülern Angebote für einen bewussteren Umgang mit der Umwelt und ermöglicht Bildung.

Ich unterstützte ein Umweltprojekt auf dem Land. Mit der Hilfe von Grundschülern bauten wir einen Schulgarten auf. Samen wurden in kleine, mit frischer Muttererde gefüllte Beutel gepflanzt und gepflegt. Mit meinem nicaraguanischen Arbeitskollegen erklärten wir die bestehenden Umweltprobleme und suchten mit den Kindern Lösungsmöglichkeiten. Der Gedanke der Nachhaltigkeit und das Umweltbewusstsein sollten entwickelt werden. Nach dieser Aktivität spielten wir gemeinsam Fußball oder Volleyball, wobei ich gelernt habe, dass vor allem die nicaraguanischen Frauen die besseren Fußballspieler sind als die Männer.

Das nicaraguanische Land zu erkunden, war für mich wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Das Dorf war nur auf einem schlechten Feldweg zu erreichen und auf dem Weg begegneten uns viele Ochsenkarren und die Menschen waren mit dem Pferd unterwegs. In kleinen Häusern leben zahlreiche Familienmitglieder. Oftmals teilen sich mehr als 4 Leute einen kleinen Raum zum Schlafen. In den Häusern wird mit Vorhängen ein Stück Privatsphäre geschaffen. Die Frauen kochen über offenem Feuer Reis und Bohnen, das Grundnahrungsmittel. Kinder spielen auf der Straße barfuß und erledigen ihre Schulaufgaben auf dem Boden. Die Latrinen sind hinter dem Haus dürftig mit Plasteplanen abgeschirmt, jedoch der starke Wind reißt immer wieder große Löcher hinein. Meistens wird der ganze Tag vor dem Fernseher verbracht und die Tage ziehen dahin ohne große Abwechslung. Die Menschen sind neugierig, jedoch zurück haltend. Im ganzen Land habe ich große Gastfreundschaftlichkeit erlebt und mit einem Stück Vertrauen, wird man schnell zum Teil der Familie.

Das zweite Projekt führte uns in die Schulen von San Marcos. Einige Schulen in Jena haben eine Patenschaft mit einer nicaraguanischen Schule. Meine Aufgabe war es, einen Schüleraustausch zwischen Deutschen und Nicaraguanern vorzubereiten .. Interessierte nicaraguanische Schüler nahmen brieflich Kontakt mit den deutschen Austauschpartnern auf. Ich lehrte Englisch und half beim Umgang mit dem Internet. Außerdem realisierten wir Säuberungsaktionen in der Schule und veranstalteten mit den Schülern Diskussionen über Umweltschutz. Die nicaraguanischen Schüler haben noch viele Verantwortlichkeiten neben der Schule, sie müssen beispielsweise bei der Kinderbetreuung helfen und den Haushalt finanziell unterstützen. Dieser Arbeitskreis hatte zum Ziel den Jugendlichen ein Stück Abwechslung und Zeit zum „leben“ zu geben. Am Ende meines Jahres besuchte uns eine deutsche Schülergruppe für 3 Wochen. Wir erlernten gemeinsam Grundkenntnisse von Karate, initiierten Volleyballturniere, tanzten gemeinsam zu Bachachatamusik und reisten durch das kleine Land. Trotz aller Kommunikationsschwierigkeiten und Kulturunterschiede erlebten wir spannende, abwechslungsreiche und unvergessliche Tage.

Dieses Jahr war mit vielen Ängsten und Sorgen verbunden. Das Kennenlernen und sich Anpassen in dieser fremden Kultur und neuen Gesellschaft war ein Prozess mit vielen Höhen und Tiefen. Es erfordert viel Toleranz und Selbstbewusstsein. Trotz der großen Armut und den fremden Gewohnheiten ist Nicaragua für mich zu meiner zweiten Heimat geworden.

Cäcilia

1 Kommentar Füge Deinen hinzu

  • 1. Mario Martz  |  31. August 2009 um 21:12

    Estoy intentando entenderle. Felicidades!

    Antwort

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